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Donnerstag, 12. Dezember 2013

Straßendosen - eine Beobachtung

Ich verlasse die Bahn, "zurücktreten bitte" nuschelt ein Schaffner, oder so ähnlich?! So genau weiß das eigentlich keiner. Nicht sehr motiviert der Typ. Die Rolltreppe fährt mich vorbei an Ballettaufführungen, Kongressen und Messen, sowie Werbung für eine Krankenkasse und eine regionale Bank.
In dem lebendigen S-Bahnhof sitzen Obdachlose in kleinen Gruppen an den Wänden und unterhalten sich. Ein Betrunkener, der nur eine Handlänge von einem weiteren ärmlich gekleideten steht, nuschelt besoffen im Dialekt: "Du muscht mich irgendwann mal umbringe...". Ein Mann mit Hund ist eingeschlafen - ein Passant weckt ihn um ihm Geld zu geben. Verwirrende Nächstenliebe?! Wieder eine Rolltreppe. Keine Plakate. Dafür ein älteres Ehepaar, das offensichtlich mit ihrem dreijähigen Enkelsohn auf den Weihnachtsmarkt will und an seiner Kleidung rumzuppelt. - Ist der kleine denn auch warm genug angezogen? Ich muss unwillkürlich grinsen. Da ist sie: die frische Luft. Mein Ziel? Irgendwo geradeaus und dann rechts abbiegen, auf der rechten Straßenseite. Zeit? Knapp!
Ich lege einen Schnellschritt ein, der, abgesehen von deutlichen Temposenkungen auf Grund der Menschenmassen, keine Unterbrechungen duldet. Ein beinloser Mann schlurft über den Boden und hält den Menschen seine Dose unter die Kniekehlen. Überall an den Straßenrändern Frauen und Männer mit Bechern und Dosen in bittender Haltung: Kniend, mit gefalteten Händen. Dahinter festlich dekorierte Schaufenster, teure potentielle Weihnachtsgeschenke. Vor einem Glühweinstand steht jemand unaufhörlich klingelnd im Weihnachtsmannkostüm. Ein älterer Herr drückt mir ein christliches Weihnachtsgedicht in die Hand, ich lächel ihn schnell an - hat er das überhaupt gesehen? Ich laufe weiter. Schnellschritt. Nur durch, durch diesen Rummel. Eine südländisch begabte Band mit einem kleinen Jungen als Eye-Catcher beschallt zehn Quadratmeter Straße. Über dieses Stück kommen sie auf Grund der Lautstärke nicht hinaus. Zehn Meter weiter auf der Gegenüberliegenden Straßenseite eine Band, die traditionelle Weihnachtsstücke spielt: Posaune, was noch? Ich weiß es schon nicht mehr, aber zwischen den Bands der Verkäufer einer Straßenzeitung, der meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Unterstützenswert. Aber ich laufe weiter. Kurz möchte ich umdrehen, mich entschuldigen: "Ich will ja kaufen, aber... - ja was, aber? Keine Zeit? - Ehm ich also...nein, ich war nicht bei der Bank: In meinem Portemonaie befinden sich gerade 25 Cent und eine Bankkarte." Richtig! Denke ich. "Najaaaa ich könnte auch zur nächsten Bank laufen oder später eine kaufen." Weiter denke ich nicht darüber nach, zu utopisch das ganze, ich bin ja schon vorbei, denk nicht darüber nach, dass "später" um Mitternacht sein wird und kein Zeitungsverkäufer mehr auf der Straße stehen wird. Da ist sie: Die Ecke. Vor mir: der Weihanchtsmarkt. Noch lauter, pompös, überfüllt. Ich biege ab. Hier ist es stiller, leerer. Nur kurz vor meinem Ziel ein einsamer Junge. Vielleicht 15 Jahre alt: mit Becher in den gefalteten Händen, schaut kurz auf, aber lässt mich vorbei ziehen.
Als ich das Gebäude erreiche empfängt mich Wärme, Ruhe und Filmmusik: Paris, Straße, Marktstände, Akkordeon! Ich selbst bleibe unruhig. Diese Großsstadt macht mich kirre. Wenn ich jedem Mensch mit Dose in der Hand etwas gebe, dann habe ich am Ende EINER Straße kein Geld mehr auf der Bank. Aber reicht diese Entschuldigung aus um NICHTS zu tun?
Ich weiß es nicht.
Oder ist es das,  was am meisten mit Weihnachten zu tun hat (?!) Ein kleines bedürftiges Kind kommt im Dreck zur Welt. Die ausgegrenzten ("Ausländer" und der "unterste Bildungsstand") kommen um es zu sehen...

Ein weiterer Gedankenanstoß dazu von einem Poetryslammer:
"Der Obdachlose Gott"

Schreibt mir gerne eure Meinung oder unterstützenswerte Projekte die ihr in dem Bereich kennt!
Danke fürs Lesen!
Eure Nora

P.S: Bitte sucht in diesem Post keine eindeutigen Antworten oder Statements. Dies stellt nur eine Beobachtung meiner Umgebung und meiner Selbst dar.





Donnerstag, 6. September 2012

Lachende Erinnerungen vergangener Zeiten

Ein stummes Lachen aus vollem Herzen.
Gute Musik,
Alte Erinnerungen, Texte, Bilder,...die dich nie verlassen.

Erinnerst du dich, wie er dir fast unmerklich durchs Haar strich, als er dir das Stroh aus den Haaren zupfte? Erinnerst du dich wie ihr stundenlang spazieren, reden, träumen konntet?

Erinnerst du dich an diesen eisigen Wintertag? Als ihr spazieren gingt? An Gespräche fern von Zuhause? An überschwängliche Freude, ungewohnte Ernsthaftigkeit und eine gewisse Spannung in der Luft?

Erinnerst du dich an Stunden gemeinsam? Zeit zu zweit in einem Raum. Ein Hobby, ein Raum, 2 Menschen?

Erinnerst du dich an Spaziergänge im Wald? Den Blick von oben auf die Stadt und wie ihr gemeinsam, laut lachend den Hügel hinunterliefen? Durch das Feld vom Bauern? Oder uns runter kugelten? Erinnerst du dich, wie deine Mama das Auto anhielt und wir den Duft der Blumenwiese genossen. Diesen Geruch vermisse ich bis heute.

Erinnerst du dich, wie wir einsam gemeinsam, laut lachend, leise weinend, schweigen und Stunden am Stück reden konnten, wenn man uns denn diese Zeit gab?

Erinnerst du dich, wie ich in deiner Hängematte saß? Dir zuschaute, mich mit dir unterhielt und von ruhigen Zeiten träumte. Bei dir war es ruhig, schön und aufregend. =D

Erinnerst du dich an Sofagespräche? Nächte, die zum Tage wurden. So viele Jahre Kindergehoppse, erst du, dann ich, dann sie. So viel haben wir miteinander erlebt.

7 Erinnerungen...und es gibt noch so viele mehr....die ich irgendwie vermisse... .
Manche dieser Zeiten sind unwiderruflich vorbei...andere nicht.

Welchen Menschen hast DU lange nicht gesehen? Bei WEM hast du dich ewig nicht wirklich gemeldet?
Gehöre ich auch dazu?

Ich,
die Nora.

Donnerstag, 30. August 2012

Gesichter

Überall begegnest du ihnen. Sie starren dich an, mustern dich, als wärst du hier nicht richtig, als entsprächst du nicht ihren Vorgaben, als gehörtest du aussortiert. Falsche Gesellschaft.
Oder sie lächeln dich an, nicken dir zu, als seid ihr schon seit Jahren Nachbarn, die sich nichts zu sagen brauchen um zu wissen, dass der andere einen guten Morgen wünscht. Sie lachen, wenn du ihrer kleinen Tochter auf ihr nachgeäfftes „Hallo!“ freundlich antwortest. Sie bedanken sich, wenn du ihrem Hund mit dem Rad ausweichst. Sie haben immer ein Lächeln im Gesicht.
Und es gibt stumme Gesichter. Gesichter, die aussehen, als seien sie garnicht da. Sie schotten sich ab. Tunnelblick. Manche sehen dich sogar an, wenn du ihren Blick suchst. Unverwandt. Ohne Leben. Tote Gesichter. Oder zumindest kaputt, abgearbeitet müde. Vielleicht auch wirklich uninteressiert, in ihrer eigenen Welt gefangen, abgeschottet, zuhause.

Manche sieht man täglich, denkt immer die gleichen Gedanken über sie.
Manche sah man bloß einmal und doch denkt man immer und immer wieder an sie.
Manche hat man ewig nicht gesehen und man vermisst sie, vielleicht sogar ohne die Person selbst zu vermissen; denn manche Gesichter haben eine Ausstrahlung, die gut tut.
Und es gibt Gesichter die belanglos sind, die sich vielleicht gerade fragen, warum man nicht zurück gelächelt, nicht gegrüßt hat.

Zu jedem Gesicht gehört ein Kopf, Gehirn, ein Körper, Bewegungen, Abläufe, Routine.
Hinter jedem Gesicht steckt eine Geschichte, ein Leben, Emotionen, Gedanken, Einkaufs- und To-do-Listen, die Mathearbeit von morgen, der gestorbene Nachbarhund von gestern und der schwere Rucksack von heute.

Nimm's ihnen nicht übel und überleg selbst einmal, wie du anderen Gesichtern auf der Straße begegnest. Unterscheidest du? Teilst du in Kategorien? Achtest du auf ihren Umgang mit der Umwelt, oder ist dir diese ebenso egal und unwichtig, wenn du dich auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit, zum Sportverein befindest?
Eigentlich ist es nicht wichtig, wie du dich verhältst. Nicht wichtig, welches Gesicht du bist. Aber vielleicht prägst du dich bei dem ein oder anderen ein und bringst ihn zum nachdenken. 

P.S: Besonders in Erinnerung an Eva, die irgendwo auf dem Frankfurter (am Main) Hbf arbeiten muss... .

Montag, 13. August 2012

Hinterhofgeräusche

Es ist Vormittag. Die Sonne steht schon recht weit oben und lässt die Sonnenseite des Innenhofes leuchten. Auf der gegenüberliegenden Seite zeigen sich helle, neue, neben alten Fassaden im Schatten. Ich frage mich, ob sie jemals das Licht der Sonne erblicken. An Balkonen wehen Tücher und Wäschestücke im Wind, überall Tarps, die gegen die Sonne schützen sollen. Blumenkübel und -kästen, sowie Lichterketten zieren die kleinen Käfige, die überall an den Fassaden kleben. Ich sitze in einem dieser idyllischen Lichtblicke und lausche den Tönen der Großstadt und denen des, wie ein Kessel hallenden, Hinterhofes. Irgendwo renoviert jemand seine Wohnung, sodass der Schall an den Wänden des Hofes abprallt und sich zu vermehren scheint. Eine Waschmaschine schleudert gerade, ein Windspiel klimpert munter vor sich hin, das Baby aus der Nachbarwohnung gibt munter glucksende Laute von sich. Flügelschlagen: schon wieder ein Vogel, den ich zwar gehört, aber von dem ich nicht mehr als seinen Schatten gesehen habe.
Von weitem klingt die Schiffshupe an mein Ohr heran, dann ein Hubschrauber und gelegentlich eine Sirene.
Und immer wieder übertönen Kreissäge und Bohrmaschine das Rauschen des Windes, das leise Rascheln gegeneinander peitschender Blätter und die vielen anderen Geräusche, die das Ruhen hier gemütlich machen. Ich seufze. Mein Tee ist kalt geworden.
Drinnen hör ich das Klappern von Tellern und Geschirr, der Wasserkocher rauscht, jemand macht Frühstück. Ich nicke ein letztes mal Sessel und Blumenkübeln zu und tappse Barfuß zurück in die Wohnung. Frühstück.

Dienstag, 31. Juli 2012

Sommerregen


Was für ein Sommer!
Der Himmel färbt sich grau, wird immer dunkler.
Ich warte nur auf den Moment, wenn die ersten Tropfen gegen meine Fensterscheiben prasseln, um dann raus zu rennen, die Wäsche zu „retten“ oder Mamas bunt gestreiften Teppich rein zu holen, bevor es sich nicht mehr lohnt. Mein Sonnenschirm ist bereits vor Stunden auf die Terrasse gesegelt. Dann eben nicht Sommer.
Als es Abend werden will beginnt endlich das Schauspiel: Es scheint als wolle der Regen den Boden erst vorsichtig anfeuchten, ihn an sich gewöhnen, bevor er Fluten fallen lässt, los lässt, Druck ablässt.
Ich sitze in meinem dunklen Zimmer, gemütlich in eine Decke gewickelt, den Blick auf die kalte Glasscheibe gerichtet, die zum Musikinstrument wird. Eine Tasse Tee in der Hand und ich träume. Prasselnder Regen erinnert mich an Zeltnächte, Rennen durch plötzlich auf uns einströmende Regenfluten auf dem Weg zur Eisdiele bei einem Geburtstag, ebenso in Berlin mit neuen Sandalen, die von dem vielen Wasser anfingen zu schäumen, als Kindergartenkind nach einer Feier durch leichten Regen im Dunkeln getragen werden. Regen bringt Segen. Irgendwann packt es mich: Ich kann doch nicht ewig hier herum sitzen. Ich mache Musik an, öffne die Balkontür und laufe Barfuß hinaus. Das Gesicht in Richtung Himmel gestreckt, grinsend schließe ich die Augen und genieße, träume.
Träume von dem ersten Tag im Frühling, als ich Barfuß durch den Garten lief und das Gefühl genoss, es würde warm, obwohl ich nach einer Weile rein gehen musste, um mir keine Erkältung zu holen, so sehr fror ich.
Träume von einem Tag im Herbst, als ich noch klein war, in den Wald zum spielen ging und durch die vielen fallenden Blätter tanzte, die der Wind um mich herum fallen lies, wie der erste Tag im Schnee.
Träume von eiskalten Winternächten und da gehe ich wieder herein um meinen Tee weiter zu trinken um nicht zu frieren, in diesem nassen Sommer. Ich gehe herein, schüttele mich wie ein nasser Hund, lache leise auf und hole mir ein Handtuch, als käme ich gerade aus dem Pool.
Es ist Sommer: ich habe Zeit zum Leben genießen, schreiben und zum Reisen, Freunde treffen, freie Zeit.

Samstag, 30. Juni 2012

Es riecht nach Freiheit


Nur noch eine Woche bis zu den Ferien. Der Sommer ist endlich richtig da! Es ist warm, die Sonne scheint, alles wächst, blüht und gedeiht – ja trägt sogar Früchte.
Ich lass mir die Laune nicht von der Tatsache vergraulen, dass der verregnete Frühling all die Kirschblüten weggeschwemmt hat – schließlich bedeutet das auch weniger Arbeit mit verfaulten Früchten und meine erste garteneigene Kirsche habe ich soeben trotzdem verspeisen können!
Die Rosen verbreiten ihren Duft ebenso, wie meine Lieblingspfefferminze. Alles blüht in bunten Farben. Der Himmel ist strahlend blau. Nur wenige Wolken kündigen ein erfrischendes Gewitter am Abend an. Auf dem Weg zur Schaukel entdecke ich eine Vogelfeder. Das Feld hinter unserem Garten steht in voller Pracht. Barfuß genieße ich das Wetter, die Wiese unter meinen Füßen.

Ich weiß, dass es längst Zeit ist. Zeit für Ruhe und Gelassenheit, Hängematte, Trampolin und schulferne Bücher! Zeit für verrückte Reisen, Spontanbesuche und meine Freunde. Zeit für Ferien!

Ich habe heute (zumindest in der oberen Etage) Sturmfrei! Ich habe Ruhe, um mich von der letzten Woche auszuruhen, kann so laut Musik hören wie ich will, mir Spiegeleier machen ohne, dass mir jemand dazwischen pfuscht und mir meine Zeit selbst einteilen.
Niemand beschwert sich, wenn ich Gitarre spiele oder stört mich, wenn ich Gedanken nachhänge oder an irgendetwas arbeite.
=D

Heute ist sie endlich da: Die Vorfreude! Das schlimmste ist geschafft. Nur noch eine Woche...noch viel vorzubereiten, aber darauf freue ich mich! Hochzeit, Freizeit, Zeit mit dem Liebsten/den liebsten Menschen der Welt verbringen!

Und gleichzeitig die Frage: Was wird nächstes Jahr um diese Zeit sein?
Dies sind meine letzten Sommerferien vor dem Abitur – ein seltsames Gefühl.
Die Zeit vergeht. Und mit ihr kommt die Freiheit.
Die Freiheit immer mehr selbst zu entscheiden, selbstständig zu Leben.
Und gleichzeitig ist kindliche Freiheit vorbei?!
Will ich DIESE Freiheit wirklich? Oder wird sie mir früher oder später Angst machen, mich einsam machen??

Die Sicherheit, dass Gott mit gehen wird und ich immer irgendwo Menschen haben werde, mit denen ich reden kann tut dabei unendlich gut!

So, nun weg mit euch vom PC und genießt das schöne Wetter, solange es da ist =D
Geht mal raus und schaut nach, ob es stimmt: Es riecht nach Freiheit!

Mittwoch, 27. Juni 2012

Schulalltagsgedanken


Fast hätte sie mich umgerannt. Auf dem Rücken trägt sie im blauen Koffer ein Cello, das fast so groß ist, wie sie selbst. Während sie mit der einen Hand einen Kuchen balanciert, hält sie mit der anderen die Keksdose fest, damit diese nicht von der Kuchenhaube rutscht. In der Armbeuge desselben Arms hängt ihre Schultasche. Mein Fazit: Ein engagiertes Mädchen, das wahrscheinlich heute Geburtstag hat. Ihr Gesicht verrät mir: Sie ist höchstens in der sechsten Klasse und offensichtlich im Stress, also lasse ich sie laufen und setze meinen Weg durch das Schulgebäude fort.
Eine Stufenkameradin fragt mich wo wir Unterricht haben und macht mich anschließend auf den Jungen aufmerksam, der mal wieder wegen seiner ungestümen Art gehänselt wird und an ihrem Tonfall merke ich, dass sie den Kindern, die ihn anschreien und schubsen recht gibt. Ich reagiere eisig (was meiner eigentlich lieben Stufenkameradin nicht gerecht wird) und überlege, ob ich eingreifen soll, obwohl ich genau weiß, dass es auch dieses Mal nichts ändern wird - Höchstens den Streit auf die Toilette verschiebt, wo ich machtlos bin.
Zum Glück kommt in diesem Moment der Lehrer der kleinen Raufbolde, und schickt sie energisch in ihren Klassenraum.
Ich vernehme eine Stimme irgendwo hinter mir. Wer hat mich gerufen?
Da kommt eine gute Freundin angelaufen, die mir noch schnell etwas mitteilen will, bevor wir beide (sowieso zu spät) in den Unterricht müssen. Heute ist einfach zu viel los und meine Stufenkameradin geht schon einmal vor.
Als mir auf dem Weg zum Raum die Musiklehrerin entgegenkommt, die mich immer grüßt, obwohl ich sie nur einmal gebeten habe einen Raum aufzuschließen und nie bei ihr Unterricht hatte, lächle ich sie freundlich an. Sie lächelt zurück. Doch nie wechseln wir ein Wort.

Mein Lehrer beachtet mich kaum, als ich zu spät in den Unterricht platze, mich möglichst leise auf meinen Stuhl setze und Bücher und Ordner raus krame, während ich in das Buch meiner Sitznachbarin schiele um zu sehen, was gerade gemacht wird.
Der Lehrer macht heute früher Schluss, weil er noch einen anderen Termin hat und ich finde fünf Jungs aus meiner Stufe im Foyer beim Kartenspielen vor, die gerade eine Freistunde haben. Eine andere macht Hausaufgaben, wieder eine anderer steht vorm Kiosk und versucht sich zu entscheiden welches Brötchen er kaufen soll, während ich mich auf den Weg in die Mensa mache um mein bestelltes Mittagessen zu mir zu nehmen, bevor ich mir zwei Stunden meines Hassfachs antue. Die letzten zwei Stunden des Tages.

Und so könnte ich weiter erzählen...
Sind es im Prinzip nicht immer die gleichen Szenen, die sich tagtäglich vor uns abspielen?
Und wir verändern kaum etwas. Nein wir machen Rituale aus dem, was uns begegnet. Das gibt uns Sicherheit.
Mit dem Literaturkurs haben wir diese Woche ein Theaterstück aufgeführt, für das wir viele, viele Stunden in der Schule mit Proben verbracht haben - Zu Zeiten, an denen niemand außer uns da war. Seit Beginn der intensiven Probezeit verspüre ich immer wieder das Bedürfnis meine Schuhe auszuziehen und auf Socken durch das Gebäude zu laufen oder mir einen Tee zu kochen, so albern das auch klingt. Natürlich tu ich das nicht. (Jedenfalls nur in seltenen Ausnahmefällen)
Die Schule allerdings wird mir allmählich zum alltäglichen Zuhause.
Hier wohne ich, hier lebe ich, hier arbeite ich. Hier sind Menschen, die in mein Leben gehören. Zugegeben: Es sind sehr viele, und nur mit wenigen hat man WIRKLICH etwas zu tun.
Aber die vielen typischen Begegnungen und meine Art Menschen um mich herum zu analysieren und mit ihnen umzugehen wie sie nun einmal sind und Beziehungen zu ihnen aufzubauen sind Ursache für dieses seltsame Gefühl von: Hier lebe ich. (Vermute ich)
Jeder in der Schule spielt eine andere Rolle...die des Stufenpapas oder die der alles überblickenden Oma. Der, der einen ernst nimmt und die chaotische Tante, die einfach nie einen Plan von irgendwas hat.
Und so weiter.... kennt ihr das?
Das Leben besteht echt aus komischen Systemen!

Liebe nachdenkliche Grüße
Glöckchen.

Freitag, 22. Juni 2012

Zuggedanken II

Ich verbringe viel Zeit mit Zug fahren. Und ich tu das gerne. Natürlich (wie könnte es anders sein) bin ich KEIN begeisterter Anhänger der Deutschen Bahn. Aber auch daran gewöhnt man sich. Man kann sich immer auf Verspätungen und andere Probleme verlassen und wenn man einen Termin irgendwo weit weg hat plant man besser etwas mehr Zeit ein.
Zug fahren bedeutet Zeit zum nachdenken zu haben. Zumindest wenn man alleine reist. Musik hören, lesen, Aufgaben erledigen, zu denen man sonst nicht kommt. Und auch einfach mal NICHTS tun. Nichts, als gelegentlich Landschaft und Mitreisende zu beobachten und zu analyiseren -Ich kanns eben doch nicht lassen!
Aber Zug fahren bedeutet mehr. Zug fahren bedeutet eine Reise machen, um einen geliebten Menschen zu treffen. Deshalb lässt es sich leicht träumen. Vorfreude ist die schönste Freude?!
Dafür lässt man sich gern von der Deutschen Bahn belästigen!
Wenn ich mit meiner besten Freundin reise, haben wir uns immer viel zu erzählen. Und schweigen wir, dann muss irgendwann einer von uns beiden grinsen...weil wir niemals eine gemeinsame Reise unternehmen, die nicht in irgendeiner Form verrückt wäre =D
Diese aufregende Spannung - was wird diesmal alles passieren? Läuft etwas schief? Mit welchen Erfahrungen kommen wir zurück?
Und auf der Rückfahrt sind wir müde. Dann ist es ähnlich, als würde man allein fahren. Nur mit dem Unterschied, dass man jemanden zum Reden hat, wenn man sich über die Ereignisse austauschen möchte.
Ich kann solche Fahrten nur wärmstens weiter empfehlen.  =D
Und dann der Moment, wenn man am Bahnhof ankommt. Viele Kilometer zurückgelegt hat, um fröhlich begrüßt zu werden, sich zu bemühen den Rest des Tages einigermaßen wach und aufmerksam zu wirken =D Nein quatsch - UM GLÜCKLICH ZU SEIN. Es hat sich gelohnt - wieder einmal!
Man braucht einen Moment, um sich wieder aneinander zu gewöhnen. Egal ob es der Freund oder irgendeine Freundin ist. Es dauert seine Zeit. Und das gehört genauso dazu wie der Tuckelzug, der alle 3 Minuten hält und ebenso oft seine Ansage wiederholt, man soll auf den Spalt zwischen Bahnsteigkante und Zug achten. 

So ich bedanke mich nun im Namen der Deutschen Bahn und wünsche eine angenehme Weiterreise. Auf Wiederlesen! =D

Glöckchen
P.S: In einer Stunde stehe ich am Bahnhof und bin diesmal nicht diejenige, die aussteigt, sondern diejenige die empfängt und ich freu mich drauf!!! <3

Donnerstag, 21. Juni 2012

Zuggedanken I

...vom vorletzten Wochenende... 
8 Stunden Zugfahrt und mit mir viele andere die darauf warten irgendwo anzukommen.
Studenten auf dem Weg nach Hause, zu ihren Eltern oder dem Verlobten, um das Wochenende mit den Liebsten zu verbringen, die es aber doch nicht lassen können wenigstens die Zeit im Zug noch effektiv zum Arbeiten zu nutzen. Immer mit Büchern oder druckfrischen Skripten, Kulli, Bleistift für Randnotizen und Textmarker bewaffnet.
Hin und wieder trifft man auf Familien mit kleinen Kindern, die das gesamte Abteil unterhalten. Eine Mutter, die ihrer Tochter Bücher vorliest, ein besonders vorlauter dreijähriger Dreinaseweiß, ein Vater, der seine Tochter kurz auf der Treppe parkt um den Kinderwagen vom Gleis zu holen, ein schreiendes Baby.
Und das ist meistens immer noch angenehmer als die sich im Sommer häufenden Junggesellenenabschiede, 10 alten Tanten auf Schnapsfahrt oder partylustige Teenager und nicht zu vergessen: FUßBALLFANS!
Aber in den Regionalzügen Deutschlands trifft man (im Gegensatz zu ICs etc.) auch immer wieder sehr interessante Menschen:
Wer kennt Forrest Gump? Leute ich sags euch ich hab ihn gesehen! =D
Und junge Pfadfinder die um einiges entspannter und erfahrener schienen als ihre Betreuer sind mir auch nicht erst einmal begegnet.
Es gibt immer viel zu beobachten auf solch langen Zugfahrten....bis es einfach nur noch  langweilig und ermüdend wird.
Die meisten Menschen lassen sich gar nicht so leicht einer Gruppe zuordnen. Wer ist der Mann in Anzug und Aktentasche, der schon viel zu lange im selben Zug mit mir sitzt, um Pendler zu sein?! Was ist mit der Frau los, die nun schon beinahe eine Stunde telefoniert und selbst nur selten zu Wort kommt? Die alte Dame mir gegenüber - ob sie wohl auf dem Weg zu ihren Enkelkindern ist, so wie der nervös auf und ab laufende Mann vor kurzem?
Pendler, die sofern sie in Gruppen reisen schon immer kundtun, dass sie wissen auf welcher Seite man am nächsten Bahnhof aussteigen muss und dann gibt es noch diese verrückten, wie wir: Mit viel Gepäck beladen suchen sie systematisch auf sich passende Sitzplätze und praktische Orte, um das Gepäck zu verstauen. Man sieht ihnen an, wie lange sie schon unterwegs sind und sie erzählen sich gegenseitig wie cool es ist, was sie tun oder andere spannende Geschichten, mit denen sie nicht nur sich selbst die Fahrt versüßen.

Umso südlicher wir fahren, desto mehr Dialekt sprechen die Mitreisenden, was für Abwechslung sorgt. Aber am meisten freue ich mich, wenn ich mitbekomme, dass die in nächste Nähe sitzenden am gleichen Bahnhof aussteigen, oder sogar mit in den nächsten Zug umsteigen.

Heute führt unser Weg den Rhein entlang. Eine faszinierende Aussicht auf Felsen, Schlösser und Burgen, sowie Weinberge begleitet uns.
Wie gemalt sehen die Felder aus, die zwischenzeitlich von vorbeiziehenden Wolken in Dunkelheit verschluckt werden. Ein Spiel aus Licht und Farben. Die Sonne scheint und wir schauen ihr zu, sind glücklich über jeden Bahnhof, an dem wir sie ein wenig genießen dürfen. Bis es weiter geht - Ab in den nächsten Zug..Auf in neue Abenteuer.

Abenteuer durch Begegnungen. Auf dieser Reise traf ich eine Missionarsfamilie aus Boston und einen russisch-deutschen Christen, der Bibel las und erzählte, dass er mit Kirche nichts mehr zu tun haben wolle, aber an Gott festhalte.
Es war eine verrückte Reise, auf der ich viel gegrinst habe und wie man sieht...mich gut mit schreiben und ähnlichem ablenken musste...es war die verrückteste Reise, die ich je angetreten bin..würde ich sagen.

Aufgeregte Grüße vom
Glöckchen

P.S: Morgen Abend folgt Teil II

Dienstag, 13. Dezember 2011

Es ist schön bei euch zu sein und über das Bloggen


Ja, diese Welt geht mir im Moment ganz schön auf die Nerven –wie man liest ;)
Ich könnte gefühlt auch gut ohne diese Gesellschaft leben, was natürlich wieder nicht funktioniert – nicht in dieser Welt!
Aber eines ist mir heute klar geworden: Egal, was einen zerstört, egal, was passiert, egal, was man in dieser Welt nicht versteht – es ist immer noch schön, bei den Leuten hier zu sein!

Ja ihr seid gemeint! Ihr, die ihr mich begleitet, mir zeigt, dass ihr mich liebt, mich auch mal ermahnt, mir helft! Ihr, denen ich täglich in der Schule begegne, auch wenn wir uns manchmal nicht verstehen! Ihr, die mich auf eine Art unterstützt, die ich erst im Nachhinein verstehe. Ihr, die ihr da seid, die ich kennen darf, durch die ich wachsen darf!

Oft seid ihr das (vor-)letzte, was in dieser Welt noch bleibt. Was glaubt ihr, warum ich blogge?
Sicher gibt es dafür viele Gründe. Ich habe angefangen, (und da bin ich ehrlich), weil ich damals begeistert davon war, wie eine Freundin ihr Leben meisterte. Ein typisches Teenie-Vorbild. *beschämt lach* (und ja, jetzt darfst du auch ein bisschen lächeln und stolz auf dich sein =P )
Hinzu kommt, dass ich schon immer gerne geschrieben hab. In der Grundschule Geschichten und so entwickelte sich das. Auch das hätte sich niemals weiterentwickelt, wenn da nicht Menschen gewesen wären, die es sich durchgelesen hätten, mir Feedback gegeben hätten, oder mich manchmal auch einfach überschätzt und gelobt haben.
Wenn ich schreibe, kann ich meine Gedanken sortieren. Ich kann sie verewigen und wunder mich, was später dabei rauskommt, weil ich so niemals darauf gekommen wäre, wenn ich den Gedanken nicht verschriftlicht und weitergedacht hätte.
Vielleicht ist das Schreiben (wie früher schon einmal erwähnt) eine Art „Selbst-Therapie“, weil man reflektiert, was einem im Kopf herumschwirrt.
Dabei kann auch eine Menge ‚Murks’ rauskommen und ich entschuldige mich für jegliche unqualifizierten Verschriftlichungen, die meine wohlbehüteten Ordner ungehindert verlassen und in die Welt strömen!
Das ‚Bloggen’ dient also erst einmal mir selbst, aber wenn das alles wäre, könnte ich die Texte auch für mich behalten.
Nein, dahinter steckt auch ein anderer Sinn:
Vielleicht eine Art Mitteilungsbedürfnis.
Der Wunsch etwas bewirken zu können, wenigstens im engeren Umkreis.
Das Verlangen danach, die Welt zu verändern.
Vielleicht nur durch einen einzigen Satz, in einem Meer unsinniger Wörter.
Aber ich versuche es. Ich möchte nicht tatenlos daneben stehen.
Und da sind wir wieder am Anfang dieses Posts:
Diese Welt/Gesellschaft geht mir manchmal echt auf die Nerven. Aber ich möchte etwas daran ändern und egal, ob ich das wirklich kann oder nicht: Ich habe noch die Menschen um mich herum! Und ich habe die Möglichkeit euch meine Gedanken HIER mitzuteilen!
Danke fürs Lesen!
Manchmal kann der Alltag wirklich mühselig werden: Dann ist es gut solche Möglichkeiten zu haben! Danke für jedes Feedback!

Nora. 

Montag, 7. November 2011

Novemberentdeckungen


Ja, es ist November.
Eine Zeit der Umstellung. Eine Umbruchszeit. Herbst.
Man kann viel über den Herbst schreiben, über seine positiven und negativen Seiten. Aber darüber möchte ich mich heute nicht auslassen, das habe ich oft genug getan!
Vor knapp einer Woche wurde die Zeit umgestellt. Nun wird es immer eher dunkel, ja man lebt quasi im Dunkeln.
In den letzten Jahren hat mich die viele Dunkelheit oft stark beeinflusst.
Ich war geradezu melancholisch bis depressiv in den Herbst- und Wintermonaten, wenn nicht die Weihnachtszeit überhand nahm.

Gerade war ich im Garten, und als ich unter unserem Kirschbaum herlief, der in den letzten 2 Tagen erstaunlich viel Laub verloren hat verspürte ich das Bedürfnis meine Schuhe auszuziehen und einfach barfuss durch das Laub zu laufen. In der Dunkelheit sieht man ja nicht, wie schön bunt es ist. Aber das rascheln hört man und wenn man sich traut, kann man die pieksenden Blätter auch spüren.
Wenn man sich draußen im Dunkeln umschaut, kann man feststellen, dass selbst ein grauer Himmel schön sein kann. Schließlich gibt es auch Menschen, die schwarz-weiß Fotografien mögen. Das kann eine sehr gute Wirkung schaffen, wie ich heute erst wieder einmal gesehen habe. Und auch die Natur liefert uns (nachts) manchmal perfekte Schwarz-Weiß Bilder. Wenn der Mond alles anleuchtet, wirkt es nicht immer bloß mystisch, melancholisch oder verblichen. Manchmal gibt er auch einen Ausdruck von Geborgenheit, Freiheit, Stille, Frieden.

Im letzten Jahr habe ich viel darüber nachgedacht, wie sehr Gott aus Scherben Mosaike und aus Müll ganze Berge schaffen kann.
In eine ähnliche Richtung geht die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt, sich über Kleinigkeiten aufzuregen. Selbst wenn etwas schief geht, dann ist das vielleicht doof, aber es hat auch seinen Sinn, oder man schafft eben einen. Wenn man den Bus verpasst geht man halt „ne Tasse Kakao trinken“ und genießt die Ruhe, die stressfreie Zeit.

Dazu passt ein lang verbreitetes Sprichwort (Und wie ich heute herausfand auch „Gelassenheitsgebet“ genannt):
„Gott schenke mir die Gelassenheit, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann;
den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, die einen von den anderen zu unterscheiden.“ 
à Ich kann es nicht ändern, dass es im November so dunkel ist. Aber ich kann versuchen meine Einstellung dazu zu ändern. Statt passiv zu sein, aktiv werden und gegen negative Stimmungen angehen!

Vielleicht ist es auch eine Chance mal eine Zeit „im Dunkeln zu leben“ (Aber damit meine ich jetzt wirklich nur die Lichtverhältnisse von Tag und Nacht!).
Im Dunkeln kann man Kerzen anzünden, gemütlich beisammen sitzen, Tee trinken und die frische Kühle Luft des Herbsts genießen!
Oder vielleicht, barfuss durch die Blätter tanzen, denn dann sieht es ja keiner =P
Werdet wieder wie die Kinder, denn sie wissen was es bedeutet glücklich und frei zu sein!

Kleinkinder versuchen alles mit ihren Sinnen zu erfassen, nehmen alles in den Mund…
…ihr wollt nicht so viel Stress? Dann nehmt euch doch mal Zeit für eure Sinne, für die Kinder, und macht es ihnen nach =) Das tut sooo gut. 
Ich habe euch doch von meinen Reisen geschrieben "Eine Reise" , "Zugfahrten nach Hause". Das Aufnehmen mit allen Sinnen schafft tiefe innerliche Ruhe und Gelassenheit! Oder eben Aufruhe, Unruhe...Natur bringt Stille - Großstadt Lärm! Die völlige Entspannung bringt selten Musik, Spielkonsolen o.ä. Da hat sich schon wer was bei gedacht!
Sport machen in der Natur - schon mal probiert? ; P
Seinen Gedanken kann man am besten entfalten, wenn man die Ruhe dazu hat, sie sich nimmt! 

Ich hoffe ihr habt nicht jetzt schon Weihnachtsstress, sondern erfreut euch noch am Herbst und damit: 'Herbstlichen Dank' fürs Lesen!
Die Nora. 

Samstag, 5. November 2011

Eine Reise


Durch Täler und Berge sucht der Zug sich seinen Weg. Mein Blick streift die alte kindliche Heimat. Dann bleibt sie zurück. Ein alter Bahnhof, vergilbte Schilder, zerbrochene Fensterscheiben. Plötzlich die wunderschöne Silhouette einer Burg. Altstadt. Urig.
Von nun an folgt der Zug einem Fluss, der glitzernd im gelegentlichen Licht der Sonne zum stetigen Begleiter wird. Dann aber bohrt er sich eine Weile den Weg durch den Berg. Den Berg? Einen der vielen folgenden Berge. Nach einem der Tunnel taucht plötzlich ein Hügel, überfüllt, besiedelt von Häusern auf. Immer neue Bilder zeigt die Mattscheibe neben mir. Ich kann meinen Blick kaum lösen von den Wäldern, scheinbar unberührter Natur.
Die entstehende Gemütlichkeit wird lediglich vom Halten in Bahnhöfen, Fahrten durch die Stadt, unterbrochen. Wir überqueren einen Fluss und durchfahren ein Tal, umgeben von Feldern, doch geschützt von den Bergen ringsum. Ich wünsche mich zurück in eine Zeit in der, man durch das offene Fenster die Natur bestaunen konnte und den Duft der vorbeiziehenden Felder roch. Fachwerkhäuser nicht vom Dreck der Fensterscheiben schier verdeckt wurden.
Stattdessen erblicke ich Neubausiedlungen, die sich um eine alte wunderschön hochragende Kirche versammeln. Dann wieder stille - Pure Natur. Aber nach jedem Tunnel taucht ein neues Tal auf. Jedes geprägt von anderen Zeiten, anderen Menschen.
Was ich sehe lässt sich mit Worten kaum erfassen. Es verliert seinen Glanz und der Bruch der Stadt - die Hässlichkeit der Neuzeit - lässt sich nicht beschreiben. Dabei ist sie hier so gering und doch so offensichtlich, dass es in den Augen schmerzt.
Nun tauchen Bäume unbekannter Farbe und Gestalt auf, dann Häuser bunt, ein jedes mit anderem Gesicht.
Die Sonne erscheint und lässt bunte Blätter herbstlich farbenfroh erstrahlen.
Dankbar bin ich dem, der dies erschuf.
Freudig, mein Ziel innerlich erwartend, genieße ich diese Fahrt. Kommende werden weniger ruhig sein.
Doch für das Ziel lohnt sichs.

Am Ziel:
Kindlich staunend heb ich meinen Blick den Häusern empor, bis zum Schloss.
Es gibt keine Sekunde mehr, die ich nicht versuche alles in mich aufzusaugen, was mich umgibt. Alte, wunderschöne Fachwerkhäuser, soweit das Auge reicht! Gepflasterte Straßen, nicht geteert. Viele, viele Treppen durchziehen die Stadt, Bergauf – Bergab führt mein Weg hindurch. „Wie gefährlich muss es im Winter sein!“, denk ich und stelle mir alles unter einer dicken, weißen Schneeschicht vor. Doch Schlitten fahren muss hier Spaß machen! Vielleicht auch auf dem Weg zur mittelalterlichen Universität, mitten in der Stadt.
Die Stadt selbst scheint der Wassergraben, des Schlosses zu sein. Keiner kommt hinauf ohne sie zu durchqueren. Was für ein Königsschutz, was für ein Völkermord?!
Doch die Neuzeit hat trotz all der alten Schönheit ihre Spuren hinterlassen!
Immer wieder neue Häuser, ungepflegt, zerstören das Bild einer einzigartigen Stadt.
Churches vs. Daily partys!
Gesellschaft- Jung. Ein Viertel sind allein Studenten.
Faszination lässt mich nicht mehr los. Das Hochzeitspaar am Aussichtspunkt passt ins Bild. Ein Blick in die Weite. In die Weite Zukunft.

Der Weg zurück, eingeholt von der Welt, umgeben von dicht aneinander gedrängten Menschen und auf einer anderen Strecke, wirkt ernüchternd.
Zurück geht’s in die Heimat. Zurück in Schule, Alltag. Zurück aus einem Märchenland, tiefer Erholung. Zurück.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Zugfahrten nach Hause


Wir schieben den Abschied jedes Mal vor uns her und dann muss es plötzlich ganz schnell gehen. Grüße werden mitgegeben, dass leerste Zugabteil ermittelt und dann verschwinden die Gesichter in der Menge. Das eine zwischen Koffern und Reisenden im Zug, das andere in einer Masse von hetzenden, zeitarmen Menschen auf dem Weg nach Hause oder zur nächsten Bahn.
Der Zug fährt auf dem Rückweg immer sehr schnell. Häuser vieler Orte fliegen an einem vorbei. Im Zug irgendwo alte lachende Tanten, bis oben gefüllt mit Likör, Schnaps oder ähnlichem. Man hört sie mit ihren Falschen klirren, als wären es Teetassen, die schwungvoll auf Untertassen abgestellt würden. Manchmal auch Fußballfans die sich noch lauter, schwitzender, je nach Spielausgang emotionaler verhalten und ihrer Umwelt damit auf die Nerven gehen.
Verkehrte Welt.
Alle paar Sekunden klingelt oder piepst ein Handy. Ein Mann beschwert sich lautstark, aber sichtbar amüsiert über dieses Phänomen. „Das gibt’s doch gar nicht! Was ist hier nur los?“ Ja, das denke ich mir auch! Sein Lachen ist ansteckend. Bei jedem weiteren Handy dringen scheinbar radioaktive Strahlen von ihm aus, die die Reisenden in ironisches, gleichermaßen genervtes Lachen versetzen.
Dann der erste Halt. Viele steigen hier aus, kaum einer ein, Ich warte auf den Ansturm, aber es kommt keiner. Ich schaue aus dem Fenster. Der Zug fährt gerade an. Eine durchdringende Kinderstimme beschallt das Abteil. Ein kleiner Junge versucht seine Mutter zu irgendetwas zu überreden. Er schreit laut, aber was er sagt höre ich nicht. Die Nachmittagssonne lässt dir herbstlich gefärbten Blätter an den Bäumen, den Schienen entlang, schillernd leuchten. Die meisten Bäume jedoch, sind noch viel zu grün.
Der Zug hält mitten in der Natur an, fährt weiter. Stille löst sich auf, macht sich wieder breit.
Nun ist es Zeit sich umzustellen, sich auf die Ankunft –zurück- einzustellen. Zeit, die letzten Tage Revue passieren zu lassen, Zeit abzuschalten, Zeit zu lernen oder zu entspannen, Zeit die vorbeifliegende Landschaft und die Vielfalt der unterschiedlichen Leute, um einen herum, zu genießen oder sich von der Umwelt abzunabeln und Nachzudenken.
Zuhause wartet eine Menge! Dort geht es nun weiter. Vergangenheit bleibt zurück und doch nimmt man sich immer ein Stückchen mit. Ein Stückchen Glück, ein Stückchen Freude. Ein Stückchen irgendwas. Ein Moment der Veränderung – verkehrte Welt – und dann geht es vorwärts!

Danke fürs Lesen und einen guten Start in die Neue Woche wünscht euch
Nora