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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Mein neues Zuhause

Grünes Licht erhellt die Kreuzung. Der Bus überquert den erleuchteten Platz um über die Landstraße zu flüchten. Nachts sind nur die Besoffenen langsam. Alle anderen wollen nach Hause oder zumindest nicht geklaut werden. Zumindest hier. Glaub ich zumindest... .
Ich bemühe mich sehr alles aufzunehmen, was neu für mich ist, was anders ist, was nützlich scheint.

Der Dialekt hier bringt mich immer wieder zum Schmunzeln: Eine Straße, durch die mein Bus fährt heißt doch tatsächlich "Poststräßle". Dass man hier verniedlichend an viele Wörter ein "le" hängt, habe ich schon mitbekommen. Auch Brötchen, findet man nicht unbedingt unter Wecken, sondern als "Weckle"!
Auch interessant: Wenn an der Bäckerei "Laufend frische Brezeln" steht, heißt das lediglich, dass es zu jeder Zeit frisch gemachtes, warmes Laugengebäck gibt.
Ich musste bereits feststellen, dass schwäbische Brezeln tatsächlich noch einmal anders schmecken als badische. Wer im Ruhrgebiet lebt kann jetzt absolut nicht mitreden (die kann man nämlich net esse!) Und an alle Schwaben: Es tut mir leid, aber bisher schmecken die badischen mir besser!

Die Frau neben mir im Bus schwätzt irgendwas vor sich hin. Zwischendurch guckt sie mal zu mir herüber. Redet die mit mir? Abgesehen von ihr ist der Bus mucksmäuschenstill und müde. Ich versteh sie nicht und will am liebsten dauerhaft lächeln und winken - ne lieber nicht winken. Schwätzt die eigentlich oder babbelt die? Das mit den Schwaben und den Baden, ist (zumindest hat man mich schon öfter darauf hingewiesen) ein echtes Problem: Vertausche niemals einen Baden mit einem Schwaben, er könnte arg beleidigt werden. Allerdings habe ich das Gefühl: So sehr man auch aufpasst: Schwäbisch und Badisch ist einfach nicht klar zu trennen. Man kann weder Fettnäpfchen vorbeugen noch ihnen entgehen. Bisher habe ich keinen getroffen, der mir klar sagen konnte, ob er badisch oder schwäbisch spricht (die Franken wissen das besser von sich!) bzw. Wörter einem der beiden Dialekte klar zuordnen konnte. Mir wurde auch empfohlen sich nicht mit dem württembergischen blauen Blut anzulegen, dass es hier immernoch gibt.
Empfehlungen gibt es sowieso eine Menge. Dazu gehört auch:
  Vernachlässige nie die "schwäbische Kehrwoche" sonst kannst du dich böse mit deinen Nachbarn anlegen!
Andererseits hätte ich fast einen Schock gekriegt, als ein Nachbar nachts um halb 1 seine Mülltonne über den Hof zog. Sin sie wirklich eigenartig, die schwaben, oder sind sie nur genauso kuriose Menschen, wie die ausm Ruhrpott?
Es ist schon witzig, wie viele Mythen über den Schwaben hängen: was sie sind und wie sie sind und was sie tun ode rnicht tun. "Das macht man halt net!" ist in dieser Kultur angeblich ein echter Leitspruch. Echte schwäbische Hausfrauen machen kein Wasser in den Spätzleteig (sondern 12 Eier auf einen Kilo Mehl!!!)
Da könnt ich glatt sagen: 'Die sin doch nimmer ganz knuschber!'
Ich weiß: ich kann noch lange kein Schwäbisch und ich bin auch gewiss kein 'Schwoab'- will ja auch nicht geizig sein und hab grad keine Ambitionen einen auf  'Schaffe schaffe Häuslebauer' zu machen, aber ein wenig anpassen möchte ich mich schon und ich habe Freude daran.
Nur manchmal habe ich das Gefühl alle hier sehen mir an der Nasenspitze an, dass ich nicht von hier bin. Selbst der aus Asien stammende mir gegenüber im Bus ist mehr Schwabe als ich.

In der Dunkelheit taucht plötzlich ein gleißend helles, weiches Licht auf. Es strahlt auf matten, dunklen, kalten Nebel, der eine einsame Firma an einer ebenso einsamen Straße in mystischem Licht erstrahlen lässt.
Und plötzlich bin ich sowas, das nennt sich erwachsen (jedenfalls offiziell), und stehe ohne schlechtes Gewissen zu später Zeit allein auf Bahnsteigen rum.

Der Absatz meiner Stiefel hallt selbstbewusst durch die Straßen - da ist er weiter als ich. 
Mir ist nicht kalt, obwohl ich heute viel durch den Regen gelaufen bin und meine Kleidung teilweise noch feucht ist. Eigentlich bin ich eher der Typ Mensch, der sich grundsätzlich zu warm anzieht - vielleicht gewöhn ich mir das jetzt ab, wo keine Mutter mehr auf die Idee kommen kann zu sagen: "Kind, zieh dich warm an! Mir ist kalt." - ein Spruch den ich eigentlich schon immer albern fand.
Ich will nicht an typischen Müttersprüchen rummeckern, die Südländer haben auch bescheuerte: "Nicht gemeckert ist Lob genug!" zum Beispiel.
Ich finde Lob (abgesehen davon dass er zu den pädagogisch wertvollsten Methoden gehört sofern es sich bei dem Zöglin nicht um einen unnormal selbstbewussten jungen Mann handelt) sehr wichtig und möchte hiermit ein Lob für den tollsten Typen aussprechen, der auf die Idee kam mein Lattenrost mit Legosteinen links und rechts im Bettkasten zu fixieren, damit es nicht auf einer Seite abstürzt!


Ich dreh den Schlüssel im Schloss um und betrete den dunklen Hausflur. Ja ich freu mich auf mein warmes Bett. Morgen früh werde ich SWR3 zum Frühstück über das Radio empfangen. Ich hoffe, dass eine der schlimmsten Plagen im Herbst morgen auf dem Weg zur Uni ausbleibt: Weinbauern sind hier auf den Straßen mit ihren langsamen Treckern (sofern sie nicht "getunt" sind - auch das habe ich schon gesehen) unterwegs und blockieren ganze Straßenzüge, bis sie endlich abbiegen. Das löst riesige Stauschlangen aus. Eine weitere Plage sind die vielen Wasen-Besucher, die in ihren Oktoberfestkleidchen frierend auf Bahnsteigen und in Zügen im Umkreis von 60 Kilometern täglich anzutreffen sind.

Mein Zimmer ist heute sogar relativ warm, als ich es betrete, da ich die Heizung nicht ganz abgedreht habe bevor ich gegangen bin. Ich schließe den Tag und somit meinen heutigen Post.

Guts Nächtle!
Nora Johanna

Dienstag, 10. Januar 2012

Salz und Licht sein oder auch „Geschichte schreiben“ Part 4

Ein Gedankenanstoß aus der Gemeinde lässt mich noch einmal einen ganz anderen Blick auf das Thema: „Geschichte schreiben in unserer Welt“ haben:

Es ist NICHT unsere Aufgabe die Gesellschaft zu verändern, denn wir sind nicht von dieser Welt sondern Botschafter (auf Zeit) in ihr!


Joh 15,19:
Wenn ihr von der Welt wärt, so hätte die Welt das Ihre lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt heraus erwählt habe, darum haßt euch die Welt.


2.Kor 5,20:
So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott!


Als ich heute im Dunkeln einen Spaziergang machte, fiel mir auf, wie viel Ähnlichkeit die Nacht mit unserer Welt hat. Es ist dunkel in ihr und wenn ich nicht wüsste, dass auf meinem Weg viele Häuser mit Lichtern und Laternen sind, würde ich wahrscheinlich zu dieser Tageszeit keinen Spaziergang mehr machen, jedenfalls nicht so weit weg vom eigenen Haus.
Ich habe mich bei diesen Gedanken beinahe über die Menschen geärgert, die ihre Jalousien fest verschlossen hatten und niemandem hier draußen Licht gaben. Wenn wir, die wir Licht haben, es nicht wenigstens zeigen, wie sollen dann die Menschen da draußen sich daran erfreuen, Mut darin finden, ihren Weg zu gehen und selbst auf die Idee kommen Licht zu werden?
Ich selbst wollte heute eigentlich nicht spazieren. Ich wollte nur kurz in den Garten, an die frische Luft und bin dann doch spazieren gegangen.
Was ist wenn das passiert? Ein Mensch macht sich auf den Weg. Ohne ein wichtiges Ziel. Vielleicht auf der Suche nach ein wenig Licht, nach lichten Gedanken, nach frohen Menschen, nach einem Sinn?
Römer 10,14 Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger?
Es steht in der Bibel, dass wir Salz der Erde sein sollen. Salz konserviert. Es bewahrt etwas auf. Die Erde? Die Botschaft an die Erde?
Wir sollen außerdem das Licht der Welt sein. Licht ist früher etwas kostbares gewesen. Öllampen verbrauchten viel. Wir sollen unsere Botschaft an die Welt geradezu verschwendend weitergeben.

Ziemlich am Ende meines Spaziergangs habe ich eine Kerze in einer großen Laterne vor einer Haustür gesehen. Kerzen geben Licht, Wärme und vermitteln Gemütlichkeit und Geborgenheit.
Irgendwie hat es mich gefreut zu sehen, dass jemand ein Licht vor dem Haus aufstellt, wo er doch selbst drinnen nichts von hat!
Lasst uns also nicht versuchen die Welt zu verändern, in dem wie sie revolutionieren, so wie viele andere es bereits versucht haben, sondern indem wir die einzig rettende Botschaft weitergeben.
Glaubst du überhaupt daran lieber Leser? Oder fragst du dich, warum du dir das nun bis zum Ende durchlesen solltest?
Ich möchte mich mal versuchen zu trauen, das zu tun, was mir aufgetragen wurde:
Ich will dir sagen: Wenn du Jesus noch nicht kennst, dann hör einmal hin. Hör zu, was schlaue Menschen dazu sagen oder besser lies es selbst nach, was Jesus gesagt hat – in der Bibel.
Denn wer nicht an Jesus glaubt und glaubt, dass er für jeden von uns gestorben ist, dem wird es nach dem Tod nicht gut gehen! Und ganz im Ernst:
Mir geht’s besser MIT als OHNE!
DAMIT schreibt ihr erst wirklich Geschichte - revolutionär – denn ihr habt die Welt dann gegen euch!
Aber was eigentlich das coolste daran ist: Das hat Jesus auch getan (ein echter Revolutionär)! Er kam auf die Welt und schrieb Geschichte, und warum? Damit es uns in Ewigkeit gut gehen kann. Nämlich dann, wenn wir diese Welt verlassen. Aber dafür müssen wir uns für ihn entscheiden! Für mich ist das ganz einfach: Wer für MICH stirbt, weil er mich so liebt, den liebe ich doch auch! Denn das war es, was er tat. Durch seinen Tod sind wir von allem befreit. Alle Sünden und Lasten können wir ihm geben und ich freu mich darauf ihn irgendwann zu sehen!

Danke fürs Lesen!
Die Nora.

P.S: Danke für jeden Gedankenanstoß, jedes offene Ohr und jede bereitwillige Kritik!

Montag, 7. November 2011

Novemberentdeckungen


Ja, es ist November.
Eine Zeit der Umstellung. Eine Umbruchszeit. Herbst.
Man kann viel über den Herbst schreiben, über seine positiven und negativen Seiten. Aber darüber möchte ich mich heute nicht auslassen, das habe ich oft genug getan!
Vor knapp einer Woche wurde die Zeit umgestellt. Nun wird es immer eher dunkel, ja man lebt quasi im Dunkeln.
In den letzten Jahren hat mich die viele Dunkelheit oft stark beeinflusst.
Ich war geradezu melancholisch bis depressiv in den Herbst- und Wintermonaten, wenn nicht die Weihnachtszeit überhand nahm.

Gerade war ich im Garten, und als ich unter unserem Kirschbaum herlief, der in den letzten 2 Tagen erstaunlich viel Laub verloren hat verspürte ich das Bedürfnis meine Schuhe auszuziehen und einfach barfuss durch das Laub zu laufen. In der Dunkelheit sieht man ja nicht, wie schön bunt es ist. Aber das rascheln hört man und wenn man sich traut, kann man die pieksenden Blätter auch spüren.
Wenn man sich draußen im Dunkeln umschaut, kann man feststellen, dass selbst ein grauer Himmel schön sein kann. Schließlich gibt es auch Menschen, die schwarz-weiß Fotografien mögen. Das kann eine sehr gute Wirkung schaffen, wie ich heute erst wieder einmal gesehen habe. Und auch die Natur liefert uns (nachts) manchmal perfekte Schwarz-Weiß Bilder. Wenn der Mond alles anleuchtet, wirkt es nicht immer bloß mystisch, melancholisch oder verblichen. Manchmal gibt er auch einen Ausdruck von Geborgenheit, Freiheit, Stille, Frieden.

Im letzten Jahr habe ich viel darüber nachgedacht, wie sehr Gott aus Scherben Mosaike und aus Müll ganze Berge schaffen kann.
In eine ähnliche Richtung geht die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt, sich über Kleinigkeiten aufzuregen. Selbst wenn etwas schief geht, dann ist das vielleicht doof, aber es hat auch seinen Sinn, oder man schafft eben einen. Wenn man den Bus verpasst geht man halt „ne Tasse Kakao trinken“ und genießt die Ruhe, die stressfreie Zeit.

Dazu passt ein lang verbreitetes Sprichwort (Und wie ich heute herausfand auch „Gelassenheitsgebet“ genannt):
„Gott schenke mir die Gelassenheit, Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann;
den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann
und die Weisheit, die einen von den anderen zu unterscheiden.“ 
à Ich kann es nicht ändern, dass es im November so dunkel ist. Aber ich kann versuchen meine Einstellung dazu zu ändern. Statt passiv zu sein, aktiv werden und gegen negative Stimmungen angehen!

Vielleicht ist es auch eine Chance mal eine Zeit „im Dunkeln zu leben“ (Aber damit meine ich jetzt wirklich nur die Lichtverhältnisse von Tag und Nacht!).
Im Dunkeln kann man Kerzen anzünden, gemütlich beisammen sitzen, Tee trinken und die frische Kühle Luft des Herbsts genießen!
Oder vielleicht, barfuss durch die Blätter tanzen, denn dann sieht es ja keiner =P
Werdet wieder wie die Kinder, denn sie wissen was es bedeutet glücklich und frei zu sein!

Kleinkinder versuchen alles mit ihren Sinnen zu erfassen, nehmen alles in den Mund…
…ihr wollt nicht so viel Stress? Dann nehmt euch doch mal Zeit für eure Sinne, für die Kinder, und macht es ihnen nach =) Das tut sooo gut. 
Ich habe euch doch von meinen Reisen geschrieben "Eine Reise" , "Zugfahrten nach Hause". Das Aufnehmen mit allen Sinnen schafft tiefe innerliche Ruhe und Gelassenheit! Oder eben Aufruhe, Unruhe...Natur bringt Stille - Großstadt Lärm! Die völlige Entspannung bringt selten Musik, Spielkonsolen o.ä. Da hat sich schon wer was bei gedacht!
Sport machen in der Natur - schon mal probiert? ; P
Seinen Gedanken kann man am besten entfalten, wenn man die Ruhe dazu hat, sie sich nimmt! 

Ich hoffe ihr habt nicht jetzt schon Weihnachtsstress, sondern erfreut euch noch am Herbst und damit: 'Herbstlichen Dank' fürs Lesen!
Die Nora.